HERBSTGOLD - Festival in Eisenstadt

Mi, 11.09.2019 - So, 22.09.2019
Schloss Esterházy, Eisenstadt

„Grenzen! Grenzen?“

Klassik, Jazz, Balkan & Roma-Sounds

Kundenchampion 2018

Termine

Info

Künstler von Weltruf erneut zu Gast im Schloss Esterházy in Eisenstadt. Das Überwinden von Grenzen, auch über geografische und politische Grenzen hinaus, ist das Thema des Festivals.

30 Jahre nach dem „Fall des Eisernen Vorhangs“ und der Grenzöffnung zwischen Österreich und Ungarn widmet sich das HERBSTGOLD Festival 2019 Künstlern und Werken aus diesen beiden benachbarten Ländern, die schon über Jahrhunderte - nicht zuletzt durch die Familie Esterházy - kulturell eng verwoben sind. Grenzen zwischen Mann und Frau, zwischen einzelnen Gesellschaftsschichten, zwischen Tod und Leben, zwischen unterschiedlichen Religionen.

All dies wird im Schloss Esterházy in einer feinfühlig aufeinander abgestimmten Mischung aus klassischen Konzerten und Liederabenden, Jazzkonzerten sowie mitreißenden Balkan- und Roma-Sounds im Rahmen von HERBSTGOLD – Festival in Eisenstadt 2019 musikalisch umgesetzt.

Zu hören sind Künstlerinnen und Künstler von Weltruf, sie interpretieren Werke von Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven, Robert Schumann, Belá Bartók, Johannes Brahms, Franz Schubert, Franz Liszt und vielen anderen.

Die kulinarische Ergänzung zu dem vielfältigen Kulturprogramm bildet erneut das Kulinarikfestival Pan O‘Gusto in der Orangerie des Schlossparks.

 

HERBSTGOLD 2019 Festivalprogramm

11.09.2019 - HAYDNS "IL DISTRATTO"  

Nicolas Altstaedt: Violoncello und Leitung
Haydn Philharmonie

Programm
Joseph Haydn: Sinfonie C-Dur Hob. I:60 „Il distratto“
Robert Schumann: Konzert für Violoncello und Orchester a-Moll op. 129
Sandór Veress: Vier Transsylvanische Tänze
Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 102 B-Dur Hob.I:102

Sie ist ein Grenzgänger zwischen Konzertsaal und Theater, Joseph Haydns Symphonie Nr. 60, genannt „Il Distratto“: Als Schauspielmusik entstanden, verblüfft sie auch ohne die zugrundeliegende Komödie des Molière-Nachfolgers Jean François Regnard über einen zerstreuten Herrn – mit musikalischer Originalität, Überraschungseffekten und Komik in sechs ungewöhnlichen Sätzen. Zwischen den Genres changiert dafür seine in London entstandene, prachtvolle Symphonie Nr. 102, denn ihren berühmten langsamen Satz hat Haydn in ein Klaviertrio übernommen – als Hommage an eine enge Freundin. Gar nicht gruselig wird es dagegen bei den Transsylvanischen Tänzen, in denen Sandór Veress der Volksmusik seiner unmittelbaren Heimat Transsylvanien (Siebenbürgen) ein Denkmal gesetzt hat. In ihnen lässt sich erleben, wie die einmal wehmütigen, einmal mitreißenden Klänge über alle politischen Trennungslinien hinweg wirken: Immerhin ist Veress 1907 in der ungarischen Reichshälfte der Donaumonarchie geboren, in Koloszvár/Klausenburg, dem heutigen Cluj-Napoca, das seit 1920 zu Rumänien gehört ... Und mit Robert Schumanns Cellokonzert rührt das gefeierte Team aus Haydn Philharmonie und Nicolas Altstaedt als Dirigent und Solist an musikalische und andere Grenzen: Schumann verwischt darin die Konturen der drei Sätze, erzielt einen durchgehenden Fluss, konnte jedoch das Werk wegen geistiger Umnachtung und Tod nicht mehr selbst hören.

 

12.09.2019 - DER KAISER 

Horia Andreescu, Dirigent​
Elisabeth Leonskaja, Klavier
ORF Radio-Symphonieorchester

Programm
Ludwig van Beethoven: Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73
Richard Dünser: The Waste Land
Georges Enescu: Orchestersuite Nr. 3 D-Dur op. 27

Was für ein Beginn! Mit wahrlich imperialen Gesten durch alle Oktaven macht das Klavier zu den Akkordsäulen des Orchesters in heroischem Es-Dur sofort seine uneingeschränkte Herrschaft klar. Kein Wunder, dass ein findiger englischer Verleger Ludwig van Beethovens größtes und letztes Klavierkonzert Nr. 5 „Emperor“ getauft hat.

Als Kaiserin oder Imperatorin will Elisabeth Leonskaja gewiss nicht gelten, aber eine in aller Welt verehrte Grande Dame des Klaviers ist sie allemal: Die aus Russland stammende, lange schon in Wien beheimatete Künstlerin verfügt über virtuose Kraft und Sensibilität gleichermaßen, um dieses packende, lebensfrohe Konzert auszuloten. In seinem Orchesterstück „The Waste Land“ setzt der in Bregenz geborene Komponist Richard Dünser, der 2019 60 Jahre alt wird, das gleichnamige Gedicht von T. S. Eliot wortlos in Musik um – trauernd-mitfühlende Botschaften aus dem Grenzland zwischen Leben und Tod. Wesentlich freundlichere Gefilde erkundet dafür Georges Enescu in seiner 3. Orchestersuite mit dem Untertitel „Villageoise“: reizvolle Szenen aus dem Dorfleben durch Tag und Nacht, teils schwelgerisch, teils burlesk. Der u. a. in Wien ausgebildete rumänische Dirigent Horia Andreescu bringt sie aus seiner Heimat mit ans Pult des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien, das Enescus Klangzauber zum Leben erweckt: Kein Geringerer als Pablo Casals nannte Enescu einmal „das größte musikalische Phänomen seit Mozart“.

 

14.09.2019 - BALKAN & ROMA-SOUNDS

Olah Gipsy Beats
Naghash Ensemble
Kal Band

Programm
Ein Dreifach-Jackpot der Balkan-, Roma- und Ethno-Sounds im Sinne überwundener Grenzen: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile, wenn die Oláh Gipsy Beats mit Frontman Antal Kovács sowie die serbische Roma-Band Kal die feurigsten Gustostückerln aus ihrer jeweiligen musikalischen Fusion-Küche servieren: Dort Traditionelles und neu Interpretiertes aus Stadt und Land der Vlach Roma zwischen Ungarn, der Slowakei und Tschechien, hier traditionelle Roma-Musik des Balkans mit Tango-Elementen und Einflüssen aus dem mittleren Osten, der Türkei und aus Jamaika. Als gefühlvolles Herzstück dazu noch das außerordentliche Naghash Ensemble: Drei klassische Sängerinnen, drei Instrumentalisten an Duduk, Oud, Dhol und der Komponist John Hodian am Klavier erschaffen gemeinsam eine neue, tief bewegende Musik zwischen Folk und Klassik.

 

15.09.2019, 11 Uhr - GETEILTE STADT

Robert Holl, Bass
Kyril Zlotnikov, Violoncello
Elena Bashkirova, Klavier
Musiker der Barenboim-Said Akademie Berlin

Programm
Ludwig van Beethoven: 12 Variationen über ein Thema aus dem Oratorium „Judas Maccabäus" von Händel G-Dur WoO 45 (Klavier/Cello)
Johannes Brahms: Vier ernste Gesänge op. 121
Ludwig van Beethoven: Sechs Lieder von Gellert op. 48
Bruch: Kol Nidrei op. 47 ''Adagio nach hebräischen Melodien'' (Klavier/Cello) 
Messiaen: Quatuor pour la fin du temps für Violine, Violoncello, Klavier und Klarinette

Berlin und Jerusalem: Hat die eine Stadt ihre historische Teilung längst überwunden, läuft durch die andere, die Juden, Christen wie Muslimen heilig ist, immer noch eine hochbrisante Trennlinie zwischen israelischem Westen und palästinensischem Osten. Man kann und muss Grenzen nicht leugnen oder schönreden, um sie zu überwinden. HERBSTGOLD schlägt eine musikalische Brücke von Jerusalem nach Berlin – zwischen dem Jerusalem Chamber Music Festival, das die Pianistin Elena Bashkirova leitet, Daniel Barenboims Ehefrau, und der Barenboim-Said-Akademie in Berlin, in der Stipendiaten aus Ländern des Nahen Ostens unterrichtet werden. Am Vormittag treffen eine illustre Interpretenschar für die Musik von zwei der größten Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts aufeinander: Zunächst erklingen im Empiresaal Beethovens Variationen über ein Händel-Thema, das wir heute als Weihnachtslied „Tochter Zion“ kennen, sowie die Gellertlieder (mit der „Ehre Gottes in der Natur“), für die Bassbariton Robert Holl aufgeboten ist, eine Autorität auf der Opernbühne ebenso wie auf dem Konzertpodium. Danach folgt ein Kammermusikwerk, in dem Olivier Messiaen seinen unerschütterlichen Glauben in den glühendsten Farben schildert und das seit über 75 Jahren Menschen jeder und keiner Religion zu bewegen vermag: Das „Quatuor pour la fin du temps“ („Quartett für das Ende der Zeit“) wurde 1941 in einem deutschen Kriegsgefangenenlager geschrieben und uraufgeführt.

 

15.09.2019, 18 Uhr - GETEILTE STADT

Anton Barakhosky, Violine
Julia Deyneka, Viola
Kyril Zlotnikov, Violoncello
Elena Bashirova, Klavier
Musiker der Barenboim-Said Akademie Berlin

Programm
Sergej Prokofjew: Ouvertüre über hebräische Themen c-Moll op. 34 (Klavier, 2 Violinen, Viola, Violoncello, Klarinette)(Erstfassung von 1919)
Robert Schumann: Klavierquintett Es-Dur op. 44 (für 2 Violinen, Viola, Violoncello und Klavier)
Noam Sheriff: String Quintet (2014)
Felix Mendelssohn-Bartholdy: Oktett für vier Violinen, zwei Violen und zwei Violoncelli Es-Dur op. 20 MWV R 20

Wo verläuft die Grenze zum Genie? „Er versuchte die Stelle aus dem Walpurgisnachtstraum des Goetheschen ‚Faust‘ zu komponieren: ‚Wolkenflug und Nebelflor / Erhellen sich von oben. / Luft im Laub und Wind im Rohr, / und alles ist zerstoben‘“, berichtet Felix Mendelssohns Schwester Fanny vom Scherzos aus dem Streichoktett ihres damals erst 16-jährigen Bruders. Das Oktett ist eines der erstaunlichsten Zeugnisse für Felix’ frühe Reife, das selbst die Werke von Mozart im vergleichbaren Alter überflügelt. Vom jüdisch-deutschen Komponisten Mendelssohn zu dessen Freund und Kollegen Robert Schumann: Dessen einziges Klavierquartett op. 44, auf Anregung von Franz Liszt in kaum drei Wochen geschrieben, ist das klingende Dokument einer glücklichen Zeit, „voll Kraft und Frische“, wie seine Frau Clara in ihrem Tagebuch schwärmte, „äußerst brillant und effectvoll“. Das gilt auch für Sergej Prokofjews „Ouvertüre über hebräische Themen“, die er in den USA für ehemalige Kommilitonen vom Petersburger Konservatorium schrieb. Sie gaben ihm ein „Heft mit hebräischen Themen. Als ich eines Abends darin blätterte, suchte ich einige angenehm klingende Melodien aus, begann am Klavier zu improvisieren und bemerkte plötzlich, daß sich ohne mein Zutun ganze Stücke zusammenfügten.“ Am nächsten Abend war das Stück fertig! Die Pianistin Elena Bashkirova und der Geiger Kolja Blacher sind die prominentesten Impulsgeber in einer wunderbaren, aus Stars und hochbegabten Jungen zusammengesetzten Interpretenschar.

 

17.09.2019 - GRENZWELTEN - Dimensionen Anderswelt

Marlis Petersen, Sopran
Camillo Radicke, Klavier

Programm
Lieder von Carl Loewe, Johannes Brahms, Alexander Zemlinsky, Hans Pfitzner, Franz Schreier, Hans Sommer, Edvard Grieg u. a.

Nach Drüben zu schauen ins Reich der Naturgeister und Elementarwesen – wer von uns wagt es, wer vermag es? Die Sopranistin Marlis Petersen und der Pianist Camillo Radicke entführen uns mit diesem faszinierenden Liederreigen aus unserer streng rationalen, beengten Welt in Grenzwelten, in die Übergangsbereiche menschlicher Erfahrung. „Feen, Elfen, Sylphen, Trolle, Gnome, Kobolde, Nixen, Nymphen, Wasserlilien, Devas, Geister, Irrlichter, Wichtel: Kraftplätze sind ihre Heimat, und so manch ein Baumstamm, Wasserlauf, Felsen oder Blumenfeld ist ein Tor zu ihrer Welt“, erklären die beiden Künstler. „Die Dämmerung ist ihre bevorzugte Zeit, aber auch zu flirrender Mittagshitze lullen sie den Ruhenden mit magischen Träumen ein. Ihre Aufgabe ist die ätherische Gestaltung und der Schutz des Naturraumes, dem sie zugedacht sind. Sie sind zuständig für die Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer, und wenn sie uns Menschen begegnen und wir neugierig genug sind, sie kennenzulernen, erleben wir innige Naturverbundenheit, Sinnlichkeit, aber auch herrlichen Schabernack. Viele alte Völker wie die amerikanischen Ureinwohner, afrikanische und asiatische Stämme und auch die nordischen Kulturen leben noch heute mit diesen Wesenheiten, verehren sie und gestalten ihre Lebensrealität in gemeinsamer Absprache und Respekt füreinander. Wir lauschen ihnen von der frühen Romantik bis zur klassischen Moderne und hoffen, dass Sie es sich mit uns genussvoll erlauben, der Welt ein bisschen abhanden zu kommen!“

 

18.09.2019 - REISE DURCH EUROPA

Kirill Gerstein, Klavier

Programm
Franz Liszt: Mephisto Polka S 217
Johannes Brahms: Variationen über ein ungarisches Lied op.21 Nr. 2
Béla Bartók: Klaviersonate Sz. 80 BB 88
Joseph Haydn: Fantasia C-Dur Hob.XVII:4
Franz Schubert: Wanderer-Fantasie op. 15 D 760 (arr. Liszt)
u.a.

Ein US-amerikanischer Pianist russisch-jüdischer Herkunft, der in Deutschland lebt und neben seiner Hauptberufung zur Klassik auch seine jugendliche Begeisterung für den Jazz nie vergessen hat: Als Kirill Gerstein 2010 mit dem renommierten Gilmore Artist Award ausgezeichnet wurde, hieß es in der Laudatio, seine „meisterhafte Technik, klangliche Differenziertheit und musikalische Neugier“ befähigten ihn, ein „Repertoire mehrerer Jahrhunderte und Stile“ zu erschließen, womit er sich als einer der „spannendsten und vielseitigsten Musiker der Gegenwart“ erweise. Damit ist er der ideale Interpret für dieses Programm, das sich gleichsam im Namen von Franz Schuberts groß angelegter „Wanderer-Fantasie“ auf Exkursionen begibt – durch aller Herren Länder ebenso wie durch verschiedene Genres und Gattungen, von der strengen Sonate bis zu freieren Formen wie dem Variationszyklus und der Fantasie. Keinerlei Passkontrollen mussten die musikalischen Themen über sich ergehen lassen, die Joseph Haydn erfand oder Johannes Brahms aufgriff; für den in allen Metropolen gefeierten Franz Liszt war das Klavier ohnehin eine Art Fortbewegungsmittel, das der Virtuose in seinen eigenen Worten so notwendig brauche „wie der Seemann seine Fregatte, wie der Araber sein Pferd“ – und Béla Bartók, der seinem Heimatland aus politischer Überzeugung den Rücken kehrte, als es sich dem „Räuber- und Mördersystem“ des Faschismus ergab, ging in die USA, wo er an der Entwurzelung litt ...

 

19.09.2019 - ORFEO UND EURIDICE

Ana Maria Labin, Euridice
Alicia Amo, Genio
Krystian Adam, Orfeo
Fulvio Bettini, Creonte
Konstantin Krimmel, Corista
N.N., Pluto

Enrico Onofri, Dirigent
Haydn Philharmonie
Philharmonia Chor Wien

Alessio Pizzech, Regie
Davide Amadei, Bühne
Giovanna Spinelli, Kostüme

Programm
Joseph Haydn: Orfeo ed Euridice - L'anima del filosofo - Oper halbszenisch

Die letzte Schwelle, jene zwischen Leben und Tod: Können wir sie nur in einer Richtung überschreiten? Die griechische Sage von Orpheus, der mit seinem herzergreifenden Gesang buchstäblich die Steine erweichen konnte und damit auch vor den Göttern Gehör fand, seine verstorbene Geliebte Eurydike aus der Unterwelt zurückzuholen, bewegt die Menschheit seit Jahrtausenden. Schon 1600 entstand die erste Orpheus-Oper, in Monteverdis „Orfeo“ wird 1607 erstmals der tragische Schluss des Mythos auf die Bühne gebracht: Entgegen dem göttlichen Gebot dreht sich Orpheus beim Aufstieg nach Eurydike um und verliert sie dadurch endgültig. 1791 sollte Joseph Haydn für London eine neue Version des Stoffes komponieren, seine letzte und reifste Opernpartitur: mit wieder wesentlich mehr Protagonisten und entsprechend komplexerer Handlung als etwa bei Christoph Willibald Gluck. Doch zerschlug sich wegen des Konkurrenzverhältnisses zwischen den vom König und den vom Prince of Wales unterstützten Theatern eine Produktion. Erst 1951 dirigierte Erich Kleiber in Florenz die Uraufführung mit Maria Callas als Euridice. Bei HERBSTGOLD tritt nun Enrico Onofri mit der Haydn Philharmonie und einer handverlesenen Besetzung für das ausnehmend schöne, bewegende Werk ein, das mit virtuoser Stimmbehandlung, konzertierenden Blasinstrumenten, einer ausdrucksvoll hinzutretenden Harfe sowie packenden Schilderungen von Hölle und Meeressturm mit Posaunen einen besonderen Rang nicht nur in Haydns Opernschaffen einnimmt.

 

20.09.2019 - UNGARISCHE MELODIE

Martina Gedeck, Rezitation
Sebastian Knauer, Klavier, Idee und Konzept
Wolfgang Knauer, Text

Programm
Franz Schuberts Reisen in das Sommerschloss des Grafen Esterházy

Aufgrund des überraschenden und tragischen Ablebens von Hannelore Elsner kommt es zu einer Besetzungsänderung durch Martina Gedeck. 

Noch nie war Franz Schubert so weit gereist wie im Sommer 1818, als er mit der Postkutsche nach Zseliz an der Gran fuhr, um im Schloss des musikbegeisterten Grafen Johann-Karl Esterházy (aus der Altsohler Linie der Familie) dessen Töchter im Klavierspiel zu unterrichten. Bislang vergeblich hatte er in Wien auf öffentliche Anerkennung als Komponist gehofft, um nicht mehr als Hilfslehrer bei seinem Vater arbeiten zu müssen. Gescheitert waren auch seine Bemühungen, eine lukrative Anstellung als Musiker zu finden, die ihm ermöglicht hätte, seine Jugendliebe Therese zu heiraten. Das Engagement in Zselíz empfand er deshalb wie eine Befreiung – auch wenn sie nur kurz währen sollte. Viele Jahre nach Schuberts Tod denkt Therese an jene Zeit zurück – ausgelöst durch die Nachricht, dass die Comtesse Caroline Esterházy, in die sich Schubert bei seinem zweiten Aufenthalt in Zselíz verliebt haben soll, 1844 in Pressburg einen pensionierten Major geheiratet hat, die Ehe aber schon wenig später annulliert wurde. Auch Therese hat längst geheiratet, freilich nicht aus Liebe, sondern nur um versorgt zu sein. Glücklich ist sie nicht geworden – so wenig wie Caroline und ihr einstiger Geliebter Franz Schubert. Der Pianist Sebastian Knauer macht das Lieben, Sehnen und Wähnen junger Leute zur Zeit klarer Standesgrenzen deutlich und liefern mit dieser Seelenbespiegelung in Wort und Ton zugleich das Sittenbild einer vergangenen Epoche.

 

20.09.2019, 17 Uhr - VON ÖSTERREICH NACH UNGARN

Francesco Piemontesi, Klavier
Joshua Weilerstein, Dirigent
Chamber Orchestra of Europe

Programm
Joseph Haydn: Klavierkonzert D-Dur Hob.XVIII:11
Franz Liszt: Klavierkonzert Nr. 2 A-Dur S 125
Johannes Brahms: Ungarischer Tanz Nr. 18 – quasi attacca
Béla Bartók: Rumänische Volkstänze
Osvaldo Golijov: Night of the Flying Horses – quasi attacca
Johannes Brahms: Ungarischer Tanz Nr. 1
Béla Bartók: Vorspiel und Kanon, aus den 44 Duos für zwei Violinen – attacca
Johannes Brahms: Ungarischer Tanz Nr. 21, Ungarischer Tanz Nr. 4
Zoltán Kodály: Tänze aus Galantha

Niemals war der Volksmusik der Eintritt in die klassischen Musentempel verwehrt: Immer schon haben die großen Komponisten aller Herren Länder und Epochen den Liedern, Tänzen und Gesängen ihrer eigenen Heimat oder auch anderen Weltgegenden mit größter Aufmerksamkeit gelauscht und dieser urwüchsigen Musizierpraxis wunderbare Anleihen entnommen – ob nun versteckt oder offen, subtil oder unüberhörbar. Für Joseph Haydn etwa war es selbstverständlich, mit dem Material deutscher, kroatischer wie ungarischer Volkslieder in seinen Werken zu spielen oder sein Publikum mit Anklängen an die Tanzmusik des Balkans zu überraschen und ergötzen. So bildet auch sein großartiges Klavierkonzert Hob. XVIII:11 mit dem schmissigen Finale „alle zingharese“ einen populären Glanzpunkt des Repertoires. Ein Jahrhundert später hat Johannes Brahms seiner lebenslangen, stürmisch-unsterblichen Liaison mit den Klängen der Puszta nirgendwo sonst gründlicher und mitreißender freien Lauf gelassen als in den zwei Serien seiner „Ungarischen Tänze“, deren Melodien er teilweise schon als junger Mann durch den aus Ungarn stammenden Virtuosen Eduard Reményi kennengelernt hatte. Dazu noch Franz Liszts romantisch abgetöntes und zugleich triumphal virtuoses Klavierkonzert in A-Dur, das auf einer einzigen Keimzelle basiert: ein kulinarischer, von Jungstars geprägter Abend mit dem Schweizer Pianisten Francesco Piemontesi sowie dem einst von Claudio Abbado gegründeten Chamber Orchestra of Europe unter Joshua Weilerstein.

 

20.09.2019, 19:30 Uhr - VON ÖSTERREICH NACH UNGARN

Francesco Piemontesi, Klavier
Joshua Weilerstein, Dirigent
Chamber Orchestra of Europe

Programm
Joseph Haydn: Klavierkonzert D-Dur Hob.XVIII:11
Franz Liszt: Klavierkonzert Nr. 2 A-Dur S 125
Johannes Brahms: Ungarischer Tanz Nr. 18 – quasi attacca
Béla Bartók: Rumänische Volkstänze
Osvaldo Golijov: Night of the Flying Horses – quasi attacca
Johannes Brahms: Ungarischer Tanz Nr. 1
Béla Bartók: Vorspiel und Kanon, aus den 44 Duos für zwei Violinen – attacca
Johannes Brahms: Ungarischer Tanz Nr. 21, Ungarischer Tanz Nr. 4
Zoltán Kodály: Tänze aus Galantha

Niemals war der Volksmusik der Eintritt in die klassischen Musentempel verwehrt: Immer schon haben die großen Komponisten aller Herren Länder und Epochen den Liedern, Tänzen und Gesängen ihrer eigenen Heimat oder auch anderen Weltgegenden mit größter Aufmerksamkeit gelauscht und dieser urwüchsigen Musizierpraxis wunderbare Anleihen entnommen – ob nun versteckt oder offen, subtil oder unüberhörbar. Für Joseph Haydn etwa war es selbstverständlich, mit dem Material deutscher, kroatischer wie ungarischer Volkslieder in seinen Werken zu spielen oder sein Publikum mit Anklängen an die Tanzmusik des Balkans zu überraschen und ergötzen. So bildet auch sein großartiges Klavierkonzert Hob. XVIII:11 mit dem schmissigen Finale „alle zingharese“ einen populären Glanzpunkt des Repertoires. Ein Jahrhundert später hat Johannes Brahms seiner lebenslangen, stürmisch-unsterblichen Liaison mit den Klängen der Puszta nirgendwo sonst gründlicher und mitreißender freien Lauf gelassen als in den zwei Serien seiner „Ungarischen Tänze“, deren Melodien er teilweise schon als junger Mann durch den aus Ungarn stammenden Virtuosen Eduard Reményi kennengelernt hatte. Dazu noch Franz Liszts romantisch abgetöntes und zugleich triumphal virtuoses Klavierkonzert in A-Dur, das auf einer einzigen Keimzelle basiert: ein kulinarischer, von Jungstars geprägter Abend mit dem Schweizer Pianisten Francesco Piemontesi sowie dem einst von Claudio Abbado gegründeten Chamber Orchestra of Europe unter Joshua Weilerstein.

 

22.09.2019, 11 Uhr - SERENATA HUNGARICA

Thomas Wimmer, Leitung
Accentus Austria

Programm
Instrumentalmusik aus dem Manuskript der Anna Szirmay-Keczer (1695)
Johann Joseph Fux: Partita K329
Johann Heinrich Schmelzer: Lamento sopra la morte Ferdinandi III a tre
u. a.

Das Ensemble Accentus Austria öffnet eine musikalische Schatztruhe ganz besonderen Zuschnitts und bringt den faszinierenden Schmelztiegel der Kulturen und Stile zum Klingen, den das Ungarn des 17. Jahrhunderts darstellte. „Mitten zwischen Ost und West“, erklärt der Ensemblegründer und –leiter Thomas Wimmer, „lange Zeit den verschiedensten Kriegswirren ausgesetzt, einmal Aufmarschgebiet und Außenposten des christlichen Kaiserreichs, das andere Mal mit aller Härte verteidigtes Grenzgebiet der muslimischen Osmanen, wurde dem durch geschickte Heiratspolitik ‚erworbenen‘ Königreich von beiden Seiten erfolgreich die Entwicklung einer eigenständigen Musiktradition versagt. (West-)Europäische Musik taucht fast gleichzeitig neben türkischer auf. Eine selbständige Kunstmusik oder zumindest eine vitale Szene konnte sich unter diesen Umständen freilich nicht bilden. Dafür entstanden gerade in der traditionellen Populärmusik völlig neuartige Stile, von monodischen Balladen bis zu feuriger Tanzmusik, die die Fantasie der Menschen in der Donaumetropole bis in die Zeit der Operette beflügelte. Wenn die ungarisch-türkische ‚Band‘ spielt, erklingt ein Feuerwerk aus Liedern und Instrumentalmusik, die dem Zuhörer eine Gänsehaut verleihen oder seine Füße unruhig werden lassen, als wäre die Puszta in den Konzertsaal geholt.“ Zusammen mit namhaften Wiener Impulsgebern wie Johann Joseph Fux oder Johann Heinrich Schmelzer ergibt das eine großartige, verblüffende Mischung von ganz eigenem Reiz.

 

22.09.2019, 18 Uhr - HAYDNS HARMONIE

Sofia Fomina, Sopran
Marianna Pizzolato, Alt
Jeremy Ovenden, Tenor
Luca Tittoto, Bass
Fabio Bondi, Dirigent und Violine
Haydn Philharmonie

Programm
Georg Philipp Telemann: Les Nations
Joseph Haydn: Violinkonzert G-Dur Hob. VIIa/4
Joseph Haydn: Messe Nr. 14 B-Dur Hob. XXII:14 „Harmoniemesse“

Widersprüche, Gegensätze, Scheidelinien – aber auch Brücken, offene Türen, ausgestreckte Hände: Was könnte man sich bei HERBSTGOLD 2019 zuletzt dringender wünschen und was wäre wichtiger als Harmonie? Jene Harmonie, die die Musik vielleicht so gut vermitteln kann wie keine andere Kunst? Joseph Haydns letzte große Messe soll also den würdigen Schlusspunkt bilden – wobei deren wohlklingender Beiname „Harmoniemesse“ sich eher von einem pragmatischen Grund herleiten dürfte: Hier verwendet Haydn nämlich die größte Bläserbesetzung unter allen seinen Werken dieser Gattung, und „Harmonie“ war ein Synonym für Blasinstrumente. Die Vielzahl der Stimmen und ihr selbstverständlich harmonisches, farbreiches Zusammenwirken lässt sich allerdings auf höherer Ebene erneut als Symbol eines einträchtigen Miteinanders begreifen – ein Miteinander, wie es auch die Zusammenarbeit von Fabio Biondi und der Haydn Philharmonie kennzeichnet. Dazu passt perfekt, dass der italienische Dirigent und Geiger auch als Solist mit einem jener Violinkonzerte auftritt, die Haydn einst für einen Landsmann und Kollegen Biondis komponiert hat, den Esterházy’schen Konzertmeister Luigi Tomasini nämlich. Ein solches Miteinander hat freilich schon Georg Philip Telemann in seiner abwechslungsreichen Orchestersuite „Les Nations“ für die europäisch-politische Ebene beschworen: Da geben sich nach einem Auftakt im französischen Stil auch Türken, Schweizer, Russen und Portugiesen die Ehre – musikalisch zusammenrückende Völker.

 

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Veranstalter: Schloss Esterházy Kulturverwaltung GmbH

Infos zum Veranstaltungsort

Schloss Esterházy

Schloss Esterházy
7000 Eisenstadt

Tickethotline: +43 1 58885

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  • Mi., 11.09.2019 - 19:30Haydns "Il Disttratto"
  • Do., 12.09.2019 - 19:30Der Kaiser
  • Sa., 14.09.2019 - 19:00Balkan- und Roma Sounds
  • So., 15.09.2019 - 11:00Geteilte Stadt
  • So., 15.09.2019 - 18:00Geteilte Stadt
  • Di., 17.09.2019 - 19:30Grenzwelten
  • Mi., 18.09.2019 - 19:30Reise durch Europa
  • Do., 19.09.2019 - 19:30Orfeo und Euridice (Oper halbzenisch)
  • Fr., 20.09.2019 - 17:00Ungarische Melodien
  • Fr., 20.09.2019 - 19:30Von Österreich nach Ungarn
  • So., 22.09.2019 - 11:00Serenata Hungarica
  • So., 22.09.2019 - 18:00Haydns Harmonie