Johannes Brahms - Ein deutsches Requiem 2026 1280x500

Johannes Brahms „Ein deutsches Requiem"

Pfarrkirche Gersthof, Wien

Ein Trost für die Lebenden: Johannes Brahms „Ein deutsches Requiem"
 

Camerata Medica Wien • Allegro Vivace • Seestimmen • Rodica Vica • Steven Scheschareg • Nicolas Radulescu, Dirigent

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Kaum ein anderes Werk des 19. Jahrhunderts nimmt eine so eigenwillige und zutiefst menschliche Position ein wie Johannes Brahms‘ Ein deutsches Requiem“. Auf den ersten Blick mag der Begriff „Requiem“ an eine Totenmesse mit ihren Bildern von Jüngstem Gericht und Erlösung denken lassen. Doch Brahms, der das Werk zwischen 1865 und 1868 komponierte, schlug einen vollkommen neuen Weg ein. Es ist keine liturgische Vertonung für die Verstorbenen, sondern eine außergewöhnliche Musik der Tröstung für die Hinterbliebenen – eine „menschliche Totenmesse“, wie er selbst andeutete.

Der Titel „Deutsches“ Requiem ist dabei nicht national, sondern sprachlich und kulturell gemeint. Brahms wählte die Texte nicht aus der lateinischen Liturgie, sondern eigenhändig aus der deutschen Lutherbibel. Er vermied dabei bewusst dogmatische Formeln und konkrete Nennungen Christi. Stattdessen stellte er alt- und neutestamentliche Weisheiten zu einer neuen, universellen Erzählung zusammen, die sich um die menschlichen Urgefühle von Trauer, Sehnsucht und schließlich Hoffnung rankt. Der Ausgangspunkt ist programmatisch: „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.“ Nicht Furcht, sondern Trost steht von der ersten Note an im Zentrum.

Die Entstehungsgeschichte ist eng mit persönlichen Schicksalsschlägen verbunden. Ausgelöst wurde die Arbeit wohl durch den Tod seines Freundes Robert Schumann, doch die intensive Kompositionsphase begann 1865, als Brahms geliebte Mutter starb. Die Uraufführung der ursprünglich sechssätzigen Fassung am Karfreitag 1868 im Bremer Dom wurde zu einem triumphalen Erfolg und bedeutete Brahms internationalen Durchbruch. Kurz darauf fügte er einen fünften Satz für Sopran hinzu – eine innige, mütterlich anmutende Vertonung, die oft als direkte Hommage an seine verstorbene Mutter gedeutet wird.

Über sieben Sätze spannt sich ein dramaturgischer Bogen von der Klage zur Zuversicht. Der düstere, marschartige zweite Satz („Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“) konfrontiert uns mit der Vergänglichkeit, während das strahlende vierte („Wie lieblich sind deine Wohnungen“) wie ein visionärer Blick in eine heile Welt wirkt. Der berühmte sechste Satz steigert sich mit dem Posaunenruf („Denn es wird die Posaune schallen“) in eine triumphale Gewissheit, dass der Tod besiegt ist, bevor der Schlusschor („Selig sind die Toten“) das Werk in stiller, verklärter Ruhe enden lässt.

Brahms gelingt das Wunder, tiefste Verzweiflung und Todesangst auszudrücken, ohne die Hoffnung zu verlieren. „Ein deutsches Requiem“ ist keine Messe für die Toten, sondern eine große Geste des Trostes an die Lebenden – ein Werk von monumentaler Klangschönheit und zugleich intimster menschlicher Zuneigung.

Infos zum Veranstaltungsort

Pfarrkirche Gersthof

Bischof Faber-Platz
1180 Wien

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